2-jährige Fortbildung

Inhaltlich besteht die Fortbildung aus folgenden neun Modulen:

Modul 1: Allgemeine Grundlagen, Baumpflanzung
Modul 2: Jungbaumschnitt I, Grundlagen des Erziehungsschnittes
Modul 3: Veredlung
Modul 4: Sommer in der Obstwiese
Modul 5: Jungbaumschnitt II, Vertiefung des Erziehungsschnittes
Modul 6: Altbaumschnitt
Modul 7: Schnitt des Steinobstes
Modul 8: Pomologie
Modul 9: Jungbaumschnitt III, Kronenumstellung
Prüfung

Aus der Dauer von zwei Vegetationsperioden ergibt sich für die Teilneh­menden die Möglichkeit, in der Fortbildung erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten bereits im eigenen Umfeld anzuwenden und die Reaktionen der Bäume zu beobachten und mit den eigenen Vorannahmen abzugleichen. Dabei auftauchende Frage­stellungen können vertiefend behandelt werden. 
Für die persönliche Ver­tiefung und das Selbststudium gibt es zu jedem Modul ein ausführliches Skript, das für alle Module zusammen derzeit 320 Seiten umfasst.
Die Fortbildung schließt mit der Übergabe einer Teil­nahmebescheinigung bzw. bei erfolgreicher Teilnahme an einer Prüfung mit ei­nem Zertifikat.
Durch ein breites Angebot an zusätzlichen Modulen können die Teilnehmenden die Inhalte der Fortbildung individuell ergänzen und vertiefen.

Modul 1: Allgemeine Grundlagen, Baumpflanzung
Ziel des ersten Moduls
ist die Vermittlung  wichtiger Grundlagen für die Pflanzung und Pflege von Obstbäumen und die Anlage einer Obstwiese. Die Teilnehmenden sollen in die Lage versetzt werden, Obstbäume fachgerecht zu pflanzen, Standorte bezüglich ihrer Eignung für die Anlage einer Obstwiese zu beurteilen und die Anlage einer Obstwiese zu planen. Der Theorieteil umfasst: Kurzer Überblick über die Entwicklung des (hochstämmigen) Obstbaus, Grundlegendes zum Boden, zur Bodenpflege und Pflanzenernährung  sowie zur Biologie und Physiologie von Gehölzen. Das notwendige Grundlagenwissen für die Pflanzung eines Baums und die Anlage ganzer Obstwiesen.
Im praktischen Teil werden unter Anleitung in Kleingruppen Obstbäume gepflanzt. Dabei geht es – am praktischen Beispiel – noch mal um: Qualitätsanforderung an die Pflanzware, die „richtige“ Pflanzung, Wühlmaus- und Stammschutz, Anbindung des Baums.
Leitung: Jan Bade, Hubert Grundler, Denise Emer

Modul 2: Grundlagen der Jungbaumerziehung
Ziel dieses Moduls ist, alle Grundlagen der Jungbaumerziehung für die ersten acht Standjahre zu vermitteln.
Im Theorieteil werden die einzelnen Lebensjahre in der Jungbaumphase eines Obstbaumes und die jeweils nötigen Schnittmaßnahmen erörtert. Als Grundlage dafür werden die Wachstumsgesetze des Baumes, die Anforderungen des Kronenaufbaus und die Oeschbergkrone erläutert. Schnittführung, Formierungstechniken, Bodenpflege, Werkzeugkunde und Arbeitssicherheit runden das Programm ab.
Im Praxisteil geht es explizit darum, dass alle Teilnehmer:innen eigenständig Jungbäume schneiden. Alle bekommen zwei Patenbäume, die sie im Laufe der zwei Jahre drei mal schneiden werden. Ein Patenbaum ist der im Modul 1 gepflanzte Baum und eine weiterer im Alter von ca 6 Jahren. Dadurch entsteht die Möglichkeit, direkt von der Reaktion auf den eigenen Schnitteingriff lernen zu können. In diesem Modul wird in zweier Gruppen erst der Pflanzbaum und dann sukzessive ältere Jungbäume geschnitten: 3., 5. und 7. Standjahr.
Insbesondere in den Praxisteilen, können die Teilnehmer:innen von dem hohen Betreuungsschlüssel in unseren Modulen profitieren.
Leitung: Uwe Arnsberg, Jan Bade, Britta Kern, Ingmar Kruckelmann

Modul 3: Veredelung
Ziel des  dritten Moduls
ist, selber in der Lage zu sein Obstbäume durch Veredelung nach zu ziehen.Jahreszeitlich bedingt liegt der Schwerpunkt bei der Kopulation, der Winterhandveredelung. Andere Veredelungstechniken wie die Okulation und Methoden für die Umveredelung eines bestehenden Baumes, werden ebenso behandelt.
Im Theorieteil werden die verschiedenen Wurzelunterlagen, die Gewinnung und Lagerung der Edelreiser, sowie sämtliche gängige Veredelungsarten und Methoden vorgestellt. Im Praxisteil werden die verschiedenen Veredelungsvarianten geübt, sodass am Ende des Moduls alle Teilnehmenden einen selbstveredelten Baum mit nach Hause nehmen.
Leitung: Jan Bade, Markus Koch, Jens Meyer

Modul 4: Sommer in der Obstwiese

Im vierten Modul ist das Ziel, ein grundlegendes Verständnis für das Themenspektrum zu vermitteln, mit dem die ObstbaumpflegerIn im Frühling und Sommer konfrontiert ist. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Baumgesundheit. Im Theorieteil werden Einblicke in die Schadsymptome und Lebensweisen der wichtigsten Schadorganismen gegeben und Wege aufgezeigt, wie sie vorbeugend reguliert oder auch direkt bekämpft werden können.

  • Die Teilnehmenden bekommen eine fundierte Einführung in spannendes Grundlagenwissen zur Befruchtungsbiologie und über den Prozess der Blütenknospenentwicklung.
  • Der Lebensraum „Streuobstwiese“ mit seiner faszinierenden Vielfalt an Arten wird angesprochen und die dafür entscheidenden Faktoren und Maßnahmen aufgezeigt.
  • Auch wird die Wiese mit ihren aufschlussreichen Zeigerarten thematisiert und deren fachgerechte Pflege erläutert.

Der Schwerpunkt des umfangreichen Praxisteils liegt bei dem Erkennen und der Einordnung von Schadsymptomen.

  • In Gruppenarbeit werden die wichtigsten Schadsymptome an den Bäume bestimmt bzw. unbekannte Symptome anhand von entsprechender Literatur selbstständig recherchiert.
  •  Die Teilnehmenden lernen u.a. das Ausschneiden von Krebswunden, das Anbringen von Fanggürteln, die Durchführung einer „Visuelle Kontrolle“.
  • Wir schauen uns auf den Obstwiesen die Artenzusammensetzung des Grünlandes an und interpretieren diese.
  • Möglichkeiten zur Förderung der Artenvielfalt werden vor Ort erörtert und vorhandene Maßnahmen auf ihren Erfolg beurteilt.

Leitung: Denise Emer, Hubert Grundler, Ingmar Kruckelmann, Patricia Saif

Modul 5: Jungbaumschnitt II
Ziel: Die Teilnehmer:innen lernen die Besonderheiten der Erziehung von 8-15 jährigen Oeschbergkronen und was beim Übergang vom Erziehungsschnitt in den Erhaltungsschnitt zu beachten ist.
Theorie: Jungbaumschnitt in höheren Standjahren; Besonderheiten unterschiedlicher Arten und Sorten; Hinweise aus der Baumstatik zur Obstbaumpflege; Pflanzenhormone und ihre Wirkungen
Praxis: Auf Grundlage einer Baumansprache schneiden die Teilnehmer:innen ältere Oeschbergkronen und beschäftigen sich so mit den Herausforderungen bei der Erziehung von Stammverlängerung, Leit- und Seitenästen. Alle Teilnehmer:innen beurteilen die Triebreaktion an ihren zwei „Paten-Jungbäumen“ auf ihren ersten Schnitteingriff und führen dann den zweiten durch.
Leitung: Britta Kern, Hubert Grundler, Ingmar Kruckelmann, Ines Panitz

Modul 6: Altbaumschnitt
Ziel im Modul 6 ist,
die Grundlagen der Pflege von Obstbäumen in der Ertrags- und Altersphase zu erlernen.
Im Theorieteil  möchten wir den Teilnehmenden, die bereits die Grundlagen der Erziehung und Pflege von Obstbäumen gelernt haben, den Schnitt und die Pflege älterer Bäume, die nicht mehr einem Erziehungsschnitt unterliegen, nahebringen. Hierbei umfasst das Spektrum sowohl die wüchsigeren Obstbäume während ihrer Ertragsphase, als auch ältere, vergreisende Bäume, die sich bereits in der Altersphase befinden.
Neben den Grundlagen des Schnittes (Schnitt-Führung und Schnitt-Techniken) und der Baumansprache werden auch die Abschottung und Verheilung der erzeugten Wunden, die möglichen Erkrankungen durch Pilzbefall und die verwendeten Werkzeuge angesprochen. Auch die Zugangstechnik spielt eine wichtige Rolle; die Seilklettertechnik mit Baumklettergurt und Kurzseil-Sicherungen wird sowohl theoretisch erklärt als auch im Praxisteil demonstriert und geübt.
Der Schwerpunkt dieses Moduls liegt in der praktischen Anwendung der theoretisch besprochenen Grundlagen, so dass wir sehr viel Zeit auf der Wiese und in den Bäumen verbringen. Es gibt ausreichend Gelegenheit, sich sowohl in Bäumen, die einer regelmäßigen Pflege unterliegen, als auch in ungepflegten, vernachlässigten Bäumen zu bewegen und zu schneiden. Die Baumansprache, die auf der Basis der Beschreibung des Baum-Zustandes die Zielsetzung und damit die Pflege-Maßnahmen festlegt, wird in der Praxis eingeübt.
Leitung: Uwe Arnsberg, Ingmar Kruckelmann, Robert Nestmann, Patricia Saif

Modul 7: Schnitt des Steinobstes (Süßkirsche u. Pflaume)
Thema des Moduls soll der Schnitt von Steinobstgehölzen sein. Behandeln werden wir die jeweiligen Besonderheiten der verschiedenen Steinobstarten und die daraus schlussfolgernden Schnittgrundsätze bei der Jungbaumerziehung und dem Altbaumschnitt sowie weitere begleitende Sondermaßnahmen. Ein Schwerpunkt in Theorie und Praxis bilden dabei Süßkirsche und Pflaume. Ergänzt wird das Programm durch einen theoretischen Exkurs zu Pfirsich, Aprikose und Sauerkirsche.
Leitung: Ingmar Kruckelmann, Thomas Lochschmidt, Peter Trapet

Modul 8: Pomologie
Ziel im Modul 4
ist, das Grundverständnis für die Sortenkunde, die Pomologie, zu vermitteln. Dies umfasst die Bestimmung von Obstsorten anhand von wiederkehrenden Merkmalen, aber auch die Beurteilung der Sorteneigenschaften wie Baumwachstum, Baumgesundheit, etc. Dadurch erwächst ein Verständnis dafür, welche Obstarten und Sorten für welchen Standort geeignet sind.
Der Theorieteil umfasst: Einführung in die Sortenkunde und die Sortenbestimmung, Vorstellung der Merkmale, anhand derer eine Sorte sicher bestimmt werden kann.
Im Praxisteil werden eigene Bestimmungsübungen durchgeführt. Draußen werden wir sortenkundliche Begehungen der Obstwiesen/Sortensammlung erleben, soweit möglich mit Verkostung der Sorten.
Leitung: Jan Bade, Jens Meyer

Modul 9: Jungbaumschnitt III, Kronenumstellung
Ziel:
In den ersten beiden Modulen zum Jungbaumschnitt wurde vermittelt, wie von Grund auf eine Oeschbergkrone erzogen wird. Dabei ging es primär darum, die Methode zu verstehen und anwenden zu können. In diesem Modul soll es nun darum gehen, wie Jungbäume, die fehlerhaft aufgebaut wurden oder sich natürlich (ohne Schnitt) entwickelt haben, nach Vorbild der Oeschbergkrone neu strukturiert werden können. Dabei üben die Teilnehmer:innen, die gelernte Methode der Oeschbergerziehung auch dann anzuwenden, wenn die Ausgangsbäume erheblich vom Idealbild abweichen, was in der Praxis häufig vorkommt.
Theorie: Grundlagen der Kronenumstellung, Rechtliche Bestimmungen (Naturschutz, Pflanzenschutz, Düngung, Nachbarschaftsrecht) und Selbstständigkeit in der Obstbaumpflege.
Praxis: das praktische Üben an den Bäumen nimmt in diesem Modul einen großen Raum ein. In Kleingruppen werden Jungbäume umgestellt und die Reaktion von bereits umgestellten Jungbäumen beurteilt. Alle Teilnehmer:innen beurteilen die Triebreaktion an ihren zwei „Paten-Jungbäumen“ auf ihren zweiten Schnitteingriff und führen dann den dritten durch.
Leitung: Jan Bade, Hubert Grundler, Peter Trapet

Modul Prüfung  
Die Ausbildung zum zertifizierten Obstgehölzpfleger endet auf Wunsch mit einer fachspezifischen Prüfung, die nicht im Paket der zweijährigen Fortbildung enthalten ist, sondern dazu gebucht werden kann. Für die Prüfung fallen extra Kosten an.
In der Prüfung kommt es weniger darauf an, uferlose Mengen von Fakten auswendig zu lernen, vielmehr zielt unsere Ausbildung auf das Verstehen von Zusammenhängen, Wirkungsketten und das Herausarbeiten von Möglichkeiten zielorientierter Arbeit in der Obstbaumpflege ab. Das Vermögen, in diesem Sinne handeln zu können, soll entsprechend auch in der Prüfung im Mittelpunkt stehen. Bei Bestehen der Prüfung werden die Leistungen mit einem Zertifikat bescheinigt.
Ein erster schriftlicher Prüfungsteil beschäftigt sich mit den gesamten Inhalten der Ausbildung. Dazu gehören u.a. allgemeinen Grundlagen der Obstgehölzphysiologie und dem Habitat Obstwiese, Fragenkomplexe zum Boden, zu Baumbiologie, Baumschnitt, Veredlung und Ertragsverhalten, ebenso wie Sortenkunde und Krankheiten im Zusammenhang mit Obstbäumen. Aus einem Fragenkatalog von 140 Fragen müssen insgesamt eine Auswahl von ca 25 Fragen beantwortet werden.
Ein zweiter praktischer Prüfungsteil am Baum dient zur Kontrolle, ob das Gelernte verstanden wurde und am Baum auch richtig angewendet werden kann. Dazu gehört in erster Linie die fachliche Ansprache je eines vorgegebenen Jung- und Altbaumes. Nachfolgend die Abgabe einer Pflegeempfehlung entsprechend der erkannten Defizite und Pflegeziele. Die Pflegeschnitten zur Umsetzung der Pflegeziele sind beispielhaft in Teilen der Krone zu erläutern.

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